Fürst-Pless-Trompete und Parforcehorn: der Vergleich von Stimmung und Klang
Sie sehen sich ähnlich, klingen aber verschieden: Die Fürst-Pless-Trompete und das Parforcehorn sind die beiden Stimmen der Jagdhornchöre. Wer den Unterschied kennt, hört beim nächsten Auftritt sofort, welches Horn gerade trägt.
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Beide Instrumente sind Ventillose, beide spielen die Naturtonreihe, und beide gehören zum Bild der Jagdhornblaserei wie das Grün zur Tracht. Und doch verwechseln sie erfahrene Bläser nie: Das Parforcehorn ist das weite, warme Horn des Feldes, die Fürst-Pless-Trompete der helle, wache Ruf der nahen Jagd. Ein genauer Blick lohnt sich, denn die Wahl des Hornes prägt den Klang eines ganzen Chores.
Die Fürst-Pless-Trompete
Die Fürst-Pless-Trompete ist eine Naturtrompete in hoher B-Stimmung, kurz gewickelt und leicht. Ihr Name geht auf ein schlesisches Fürstenhaus zurück, das diese handliche Bauform im 19. Jahrhundert förderte; seither ist sie das Standardinstrument vieler Jagdhornchöre. Beim Spiel wird sie meist an einem Band vor dem Körper getragen, was sie zum Marschieren und zum Spiel in der Gruppe besonders geeignet macht. Ihr Klang ist hell, durchdringend und wach: Sie spricht schnell an und trägt in der Nähe sehr deutlich.
Weil die Trompete keine Ventile hat, spielt sie die Töne der Naturtonreihe. Die ersten acht Naturtöne decken die melodiösen Möglichkeiten ab; für das übliche zweistimmige Repertoire genügt das völlig. Die erste Stimme führt die Melodie, die zweite Stimme begleitet eine Terz oder Sexte tiefer, und aus dieser Zweistimmigkeit entsteht der eigentliche Klang der Chöre, den kein Ventilinstrument kopiert.
Das Parforcehorn
Das Parforcehorn ist größer, weiter und tiefer angelegt. Es ist ebenfalls in B gestimmt, klingt aber eine Oktave tiefer als die kleine Trompete und wirkt dadurch wärmer und räumlicher. Geschichtlich begleitete es die Parforcejagd, die Hetzjagd zu Pferde, bei der die Meute über weite Strecken geführt wurde: Sein Ton trägt über Felder und Wälder, und seine Tragweite ist bis heute unerreicht. Beim Spiel wird es mit einer Schlaufe um den Körper gehängt, sein Gewicht ruht auf der Schulter.
Der direkte Vergleich
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:
| Merkmal | Fürst-Pless-Trompete | Parforcehorn |
|---|---|---|
| Bauform | kurz gewickelt, leicht | groß, kreisrund, schwerer |
| Lage | hohe B-Stimmung | tiefe B-Stimmung, eine Oktave tiefer |
| Klang | hell, wach, durchdringend | warm, weit, räumlich |
| Trageweise | Band vor dem Körper | Schlaufe um den Körper |
| Typischer Einsatz | Märsche, Messen, Festspiel | Signale im Feld, feierliche Weite |
Welches Horn für wen?
Für Einsteigerinnen und Einsteiger ist die Fürst-Pless-Trompete meist der einfachere Start: Sie ist leichter, verzeiht mehr und ist in Choren zahlreich vorhanden. Das Parforcehorn verlangt mehr Atem und Kraft, belohnt aber mit einem Klang, der sich in keiner Partitur ersetzen lässt. Viele Chöre spielen mit gemischtem Satz, sodass beide Hörner ihre Lagen füllen; wie die Stimmen verteilt sind, beschreibt unser Führer durch die Blasinstrumente.
Gepflegt werden beide gleich: auswischen nach dem Spiel, Züge fetten, Mundstück bürsten. Die einzelnen Schritte stehen in unserem Ratgeber zur Reinigung und Pflege. Und wer einmal hören will, wofür diese Hörner gebaut sind, wirft einen Blick in die Signal-Übersicht unseres Repertoire-Nachschlagewerks.
Der Satzbau im Chor
Im Chor tragen beide Hörner gemeinsam das Satzgebäude. Die erste Stimme führt, meist auf der kleinen Trompete, weil sie oben sicher spricht; die zweite Stimme füllt die Klanglücke darunter, oft auf dem Parforcehorn, dessen Tiefe der ersten Stimme Fundament gibt. Diese Zweistimmigkeit ist kein Notbehelf, sondern eine eigene Kunst: Wer die Terzen und Sexten der Jagdhornmusik je in einer Kirche gehört hat, weiß, dass aus zwei Linien ein Raum entstehen kann. Manche Chöre erweitern um eine dritte Stimme, doch das Grundgerüst bleibt das Paar, und gute Arrangeure schreiben genau dafür.
Daraus folgt eine praktische Regel für Einsteigerinnen und Einsteiger: Die zweite Stimme ist kein Abstellgleis, sondern die Schule des Hörens. Wer sie ein Jahr sauber hält, lernt Intonation, Einsatz und Dynamik schneller als jede Solostimme es verlangt. Viele erfahrene Bläserinnen und Bläser sagen, sie hätten ihr ganzes Können der zweiten Stimme zu verdanken.
Das eine Horn ruft, das andere trägt: Erst zusammen bilden sie die Stimme des Waldes.
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