Porzellan restaurieren: Kleben, Ergänzen, Retusche
Porzellanscherben werden zuerst an den Bruchkanten verklebt, fehlende Stellen danach ergaenzt und das Dekor zuletzt retuschiert. Der Beitrag beschreibt die Reihenfolge, die Materialien und die Faelle, die in professionelle Haende gehoeren.
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Porzellanscherben werden an den Bruchkanten sauber verklebt, fehlende Stellen mit einer modellierbaren Masse ergänzt und das Dekor mit lasierenden Farben retuschiert. Entscheidend sind die Reihenfolge der Arbeitsschritte, die Reinheit der Bruchflächen und die Wahl eines Klebers, der sich später wieder lösen lässt. Wer diese drei Punkte beachtet, kann an einem Teller, einer Vase oder einer Figur sichtbare Ergebnisse erzielen, ohne das Objekt dauerhaft zu blockieren.
Wie klebe ich Porzellanscherben richtig?
Vor dem Kleben steht die Reinigung. Bruchkanten werden mit einem Pinsel und destilliertem Wasser von Staub befreit, fettige Rückstände mit einem in Alkohol getränkten Wattestäbchen abgenommen. Lose sitzende Splitter, die nur noch an einer dünnen Glasurschicht hängen, werden vorsichtig abgetrennt, damit sie beim Zusammenfügen nicht verkanten.
Geklebt wird von innen nach außen. Bei einem Teller oder einer Schale setzt man zuerst die größeren Scherben zusammen, die den Verlauf der Bruchlinie vorgeben. Kleine Splitter kommen zuletzt hinein. Als Kleber eignen sich lösungsmittelhaltige Acrylkleber, wie sie in der Restaurierung verwendet werden, oder ein reversibler Kleber auf Cellulosenitratbasis. Sekundenkleber auf Cyanacrylatbasis haftet schnell, ist aber spröde und lässt sich später kaum noch lösen; für Sammlerstücke ist er die schlechtere Wahl.
Der Kleber wird mit einer Nadel oder einem Zahnstocher dünn auf eine der beiden Bruchflächen aufgetragen, nicht auf beide. Beim Zusammenfügen tritt ein kleiner Wulst aus der Fuge; er wird erst nach dem Aushärten mit einem Skalpell abgenommen. Die Teile werden mit Klebeband, Gummiringen oder einem Sandbett fixiert, bis der Kleber vollständig abgebunden hat. Wer sich den gesamten Ablauf mit den einzelnen Arbeitsschritten, den Werkzeugen und den typischen Fehlern im Detail ansehen möchte, findet bei Porzellanscherben kleben richtig eine zusammenhängende Darstellung, die von der Reinigung bis zur Kontrolle der Fuge reicht.
Nach dem Aushärten wird die Klebefuge kontrolliert: Sitzen die Scherben auf gleicher Höhe, ist der Verlauf der Bruchlinie geschlossen, gibt es keinen Versatz. Ein Versatz von wenigen Zehntelmillimetern fällt später bei der Retusche deutlich auf und lässt sich dann nicht mehr korrigieren.
Wie ergänze ich fehlende Stellen an Keramik?
Fehlstellen entstehen, wenn ein Splitter verloren gegangen ist. Sie werden nicht mit Kleber aufgefüllt, sondern mit einer modellierbaren Masse ergänzt, die nach dem Aushärten geschliffen und überarbeitet werden kann. Gebräuchlich sind Zweikomponenten-Epoxidmassen, die sich nach dem Aushärten schleifen und bemalen lassen, sowie Acrylharze für kleinere Fehlstellen.
Zuerst wird die Fehlstelle mit Klebeband oder einer Folie abgegrenzt, damit die Masse nicht auf die intakte Glasur läuft. Die Masse wird in kleinen Portionen mit einem Spatel eingebracht und leicht über die Oberfläche hinaus aufgetragen. Nach dem Aushärten wird sie mit Schleifpapier abnehmender Körnung, beginnend bei etwa 400er Körnung, in Form gebracht. Bei stark gewölbten Flächen hilft ein Schleifklotz, bei Kanten eine feine Feile.
Die ergänzte Fläche wird anschließend in mehreren dünnen Schichten mit Acrylfarbe an die Umgebung angeglichen. Wichtig ist, dass die Ergänzung nicht dicker als die ursprüngliche Wandstärke aufgetragen wird; eine zu dicke Schicht verändert das Gewicht und die Haptik des Stücks. Bei Gefäßen, die mit Flüssigkeit in Berührung kommen, ist zu bedenken, dass die Ergänzung nicht dicht ist und nicht lebensmittelecht sein muss, aber auch nicht als dicht verkauft werden darf.
Wie retuschiere ich ein beschädigtes Dekor auf Porzellan?
Retusche bedeutet, eine Fehlstelle farblich so anzugleichen, dass sie aus üblichem Betrachtungsabstand nicht mehr auffällt. Sie ist keine Neubemalung. Gearbeitet wird mit lasierenden Acrylfarben, die in mehreren dünnen Schichten aufgetragen werden, bis der Farbton stimmt. Deckende Farbe in einem Auftrag wirkt meist zu dunkel und zu stumpf.
Vor dem Farbauftrag wird die Ergänzung oder die Klebefuge mit einem feinen Pinsel grundiert, damit die Farbe nicht in die poröse Oberfläche einzieht. Bei Golddekor wird nicht mit Goldfarbe, sondern mit einem gelblich-braunen Ton gearbeitet, der den Glanz nur andeutet. Echter Goldauftrag ist eine eigene Technik und gehört in die Hand einer Restaurierungswerkstatt.
Die Retusche wird im Tageslicht und bei schrägem Lichteinfall kontrolliert. Bei diesem Licht zeigen sich Farbabweichungen und Glanzunterschiede deutlicher als bei frontalem Licht. Ein mattes Feld auf einer glänzenden Glasur bleibt sichtbar, auch wenn der Farbton stimmt; hier kann ein hauchdünner Überzug aus Acrylmedium den Glanz angleichen.
Wann sollte die Restaurierung nicht selbst durchgeführt werden?
Nicht jedes Stück gehört auf den eigenen Werktisch. Bei Objekten mit hohem Sammlerwert, bei denen die Restaurierung den Preis beeinflusst, bei stark beschädigten Figuren mit fehlenden Gliedmaßen und bei Stücken mit originaler Vergoldung ist eine fachliche Einschätzung sinnvoll. Auch die Frage, ob eine Restaurierung überhaupt vorgenommen werden soll, ist Teil der Entscheidung: Eine sichtbare, aber ehrliche Reparatur kann einem Stück angemessener sein als eine perfekt kaschierte Ergänzung.
Für die Aufbewahrung gilt: Restaurierte Stücke werden nicht in feuchten Räumen oder in direktem Sonnenlicht aufbewahrt. Klebefugen und Acrylfarben reagieren auf UV-Licht und Feuchtigkeit. In der Vitrine sollten restaurierte Stücke nicht an anderen Objekten anliegen, damit die Ergänzung nicht mechanisch belastet wird.
Welche Materialien und Werkzeuge sind für die Porzellanrestaurierung nötig?
Für die drei Arbeitsschritte Kleben, Ergänzen und Retuschieren wird ein überschaubarer Satz an Werkzeugen gebraucht: ein Skalpell mit Klingen verschiedener Form, feine Pinsel in mehreren Größen, ein Schleifklotz, Schleifpapier in abgestufter Körnung, ein Spatel zum Einbringen der Ergänzungsmasse, Wattestäbchen, Alkohol, destilliertes Wasser, Klebeband zum Abgrenzen und Fixieren sowie Acrylfarben und Acrylmedium.
Die Materialien sollten nach ihrer Reversibilität ausgewählt werden. Ein Kleber, der sich mit Aceton oder einem anderen Lösungsmittel wieder lösen lässt, erhält die Möglichkeit, eine misslungene Reparatur zu korrigieren. Eine Ergänzungsmasse, die dauerhaft aushärtet, ist schwerer zu entfernen. Wer diese Unterscheidung kennt, arbeitet vorsichtiger und kann ein Stück auch nach Jahren noch einmal überarbeiten.
Zur Einordnung der eigenen Arbeit hilft ein Blick auf vergleichbare Objekte in Museen und Sammlungen. Das Deutsche Museum in München dokumentiert in seinen Sammlungen unter anderem Keramik und Glas und zeigt, wie unterschiedlich mit Ergänzungen und Retuschen umgegangen wurde. Die dort veröffentlichten Objektbeschreibungen sind eine nützliche Vergleichsgrundlage für die eigene Arbeit.
Häufige Fehler und wie sie vermieden werden
Ein häufiger Fehler ist zu viel Kleber. Der Wulst, der aus der Fuge tritt, wird beim Zusammenfügen oft nicht abgenommen und härtet dann aus. Besser ist eine dünne Schicht auf nur einer Bruchfläche. Ein zweiter Fehler ist das Schleifen der Ergänzung, bevor die Masse vollständig ausgehärtet ist; die Oberfläche wird dann wellig und lässt sich nicht mehr glätten. Ein dritter Fehler ist die Retusche bei Kunstlicht: Der Farbton stimmt am Abend, aber nicht am Tag.
Vermeiden lassen sich diese Fehler durch einen festen Ablauf: reinigen, trocknen, kleben, aushärten lassen, kontrollieren, ergänzen, aushärten lassen, schleifen, grundieren, retuschieren, kontrollieren. Wer die Aushärtezeiten einhält und nach jedem Schritt eine Kontrolle einlegt, arbeitet langsamer, aber mit weniger Nacharbeit.
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