Sankt Hubertus: die Legende des Patrons der Jäger und Bläser
Keine Gestalt gehört zur Jagdhornblaserei so sehr wie der heilige Hubertus: Zahllose Bläsergruppen tragen seinen Namen, und zu seinem Gedenktag im November klingt das Horn in vielen Kirchen. Aber wer war dieser Mann, und wie wurde aus einem leidenschaftlichen Jäger der Patron der Jäger?
Hubertusbläser · Magazin für Jagdhorn, Blasmusik und Brauchtum
Der Name Hubertusbläser taucht in Deutschland dutzendfach auf, von kleinen Jagdhornchören bis zu großen Bläsergemeinschaften. Allen gemeinsam ist die Bezugnahme auf einen Heiligen, dessen Geschichte sich um eine Jagd-Erscheinung rankt, die um das Jahr 1700 herum erzählt wurde und ältere Wurzeln hat. Wer die Gruppen verstehen will, sollte die Legende kennen, denn sie erklärt, warum Jagd, Glaube und Hornblasen bis heute eine enge Verbindung eingehen.
Die Legende von der Erscheinung im Wald
Die Überlieferung erzählt von Hubertus, einem jungen Adligen, der der Jagd mit einer Leidenschaft frönte, die alles andere in seinem Leben in den Schatten stellte. An einem Karfreitag, so die Erzählung, ritt er trotz des Feiertags in den Wald, während die Kirchen des Landes gefüllt waren. Als seine Hunde einen starken Hirsch stellten, trat das Tier nicht fluchtartig davon, sondern wandte sich dem Jäger zu: Zwischen dem Geweih leuchtete ein Kreuz, und eine Stimme hielt den Jäger an, sein Leben zu ändern.
Diese Kernszene trägt die ganze Ikonografie: Der Hirsch mit dem Kreuz im Geweih wurde zum Zeichen des Heiligen, es findet sich auf Stubenschilden, Festbanner, Kirchenfenstern und den Abzeichen von Jägervereinen. Die Erzählung ist eine Legende, keine belegte Biografie, und sie wurde über Jahrhunderte ausgeschmückt. Das gehört zu ihrer Wirkung: Sie spiegelt das Gewissen einer Jagdkultur, die sich dem Maß verpflichtet weiß, nicht der Beute.
Der historische Kern
Hinter der Legende steht eine reale Gestalt des frühen achten Jahrhunderts. Hubertus wirkte als Bischof zunächst in Maastricht und später in Lüttich, dem heutigen Belgien. Er gilt als Missionar der Ardennen, der waldbewohner Regionen, in denen Jagd und Glaube ohnehin zusammengehörten. Nach seinem Tod im Jahr 727, so wird überliefert, wurde seine Verehrung als Heiliger bald groß. Sein Gedenktag ist der 3. November, und um diesen Tag herum legt die Jagd traditionell eine Pause ein: die Hubertusruhe.
Interessant ist, dass die berühmte Erscheinung ursprünglich einem anderen Heiligen zugeschrieben wurde, dem heiligen Eustachius. Erst im späten Mittelalter wanderte die Szene auf Hubertus über, weil seine Verehrung als Patron der Jäger wuchs. Für Bläsergruppen ist dieser geschichtliche Befund kein Problem: Die Legende lebt von ihrer Botschaft, nicht von ihrer Aktenlage.
Warum Bläser seinen Namen tragen
Jagdhornchöre entstanden im 19. und 20. Jahrhundert häufig aus Jagdgemeinschaften heraus, und viele nahmen den Namen des Patrons an, um ihre Verbundenheit mit einer Jagd zu zeigen, die sich dem Brauchtum und der Waidgerechtigkeit verpflichtet fühlt. Der Name Hubertusbläser ist damit ein Bekenntnis: zur Tradition der Signale, zur Ehrung des Wildes und zur Gemeinschaft. Wer einmal an einer Hubertusmesse teilgenommen hat, bei der der Chor zum Auszug die Kirche mit weichen Naturtönen füllt, versteht, dass dieser Name keine Folklore ist, sondern Zusammengehörigkeit ausdrückt.
Zu den Aufgaben vieler Chöre gehört es, am Hubertustag in Kirchen und auf Kirchenvorplätzen zu spielen. Die Vorbereitung darauf ist oft der Auftakt der Wintersaison; was dabei gespielt wird und wie eine solche Messe abläuft, beschreibt unser Beitrag zur Hubertusmesse und ihrem Ablauf.
Der Hubertustag im Jahreslauf
Der 3. November fällt in die Wochen zwischen Ernte und Winter, in denen das Brauchtum der Jagd seinen Höhepunkt hat. Hubertusmessen, Abschlussfeiern der Jagdgemeinschaften und das erste gemeinsame Spiel des Winters gruppieren sich um dieses Datum. Für Blasmusikvereine ist der November ohnehin ein musikalischer Monat, wie unser Überblick über die ganze Saison der Feste und Termine zeigt. Zwischen Hubertusmesse und Weihnachtskonzert liegt oft nur ein kurzer Atem, und viele Bläser erleben ihn als die intensivste Zeit des Jahres.
Wer sich für die musikalische Seite interessiert, findet in unserem Nachschlagewerk zum Repertoire der Jagd- und Blasmusik die Stücke, die zu diesem Anlass gehören, kommentiert nach Anlass und Charakter. Und wer wissen will, aus welchem Wald die Signale überhaupt kommen, liest unsere Einführung zu Wald, Wild und Jagd.
Der Hirsch mit dem Kreuz im Geweih mahnt seit zwölfhundert Jahren dasselbe: Auch die Jagd braucht ein Maß, und das Horn ruft zu diesem Maß.
Ein Patron ohne Pathos
Auffällig an der Hubertusverehrung ist ihre Unaufgeregtheit. Der Heilige wird nicht als Strenger gezeigt, sondern als suchender Mensch, dem im Wald eine Wende widerfährt. Vielleicht erklärt das die Nähe der Bläser zu ihrem Patron: Auch das Signal des Hornes ist ein Ruf zur Ordnung, ein Zusammentreffen unter freiem Himmel, ein Dank am Ende des Tages. In dieser Haltung liegt mehr von der Legende als in jedem Gemälde.
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